Eine Lanze für die Raucher

Ich bin ab sofort kein Nichtraucher mehr, sondern ein Raucher, der nicht mehr raucht.
Ist inhaltlich praktisch das gleiche, aber Nichtraucher ist für mich spätestens
seit heute ein Schimpfwort.
Altkanzler Schmidt wurde gerade von einer Wiesbadener Nichtraucherinitiative wegen Körperverletzung verklagt, weil er in Hamburg bei einem Neujahrsempfang geraucht hat.
Letzte Woche hat in Hanau ein älteres Paar eine junge Frau auf einem Bahnsteig zusammengefaltet, weil sie sich einen halben Schritt ausserhalb der Demarkationslinie zum Raucherbereich befand.
Wenn ich nicht aus gesundheitlichen Gründen Nichtraucher wäre, dann würde ich jetzt sofort wieder anfangen. Alleine schon deshalb, weil ich nicht zu diesen Dumpfbacken gehören will. Ich wusste es ja schon zu Raucherzeiten, dass mir diese militanten Hysteriker auf den Keks gehen.
Jetzt haben sie also die Oberhand und verwandeln Deutschland Stück für Stück in ihren humorlosen, totalitären und rechthaberischen Traum. Was kommt als nächstes? Ein T-Shirt Zwang mit der Aufschrift “Mein Rauchen gefährdet ihre Gesundheit”? Wir Deutschen haben im Markieren und Draufdeuten ja eine prima Tradition.
Kaum haben sie die Raucher nach draussen vor die Tür geschickt, schon husten sie demonstrativ mit wedelnden Händen hinterher. “Könnt ihr nicht woanders stehen?”, “Nehmt doch bitte mal Rücksicht!”, “Unverschämtheit!”
Ich warte auf den ersten, der einen Raucher anpöbelt, weil er öffentlich qualmt. Selbstverständlich mit Verweis auf die Vorbildfunktion für Kinder. Ähnlich, wie bei den Fußgängerampeln.
Da muss ich immer an die Franzosen denken. Die gehen oft und gerne über Rot. Und den Kindern wird genau das auch beigebracht. Motto: Besser sich Übersicht verschaffen und eigenverantwortlich die Strasse queren, als auf eine starre Regel vertrauen. Denn auch wenn man Grün hat, kann man sich nicht darauf verlassen, dass sich der Autofahrer daran hält.


