
Die vertrauten Gefährten der Kameramänner sind ihre Kabelhelfer. Sie hören sein Fluchen und können sehen, wie er schwitzt. Sofern sie die Antennen für soetwas haben, spüren sie sogar seine versteckten Launen und wenn sie so richtig gut sind, ja dann beruhigen sie ihn, loben seine tollen Bilder, und wissen stets bei welchem Programmpunkt man sich gerade befindet und wohin man für die nächste Position rennen muß.
Man merkt schon: Diese Beziehung hat eine Menge mit Vertrauen zu tun.
Problematisch kann diese Beziehung nur dann werden, wenn sich dieses Vertrauen einseitig in eine Liebelei wandelt. Wenn sich beispielsweise die Kabelhilfe in den Kameramann verguckt, wie in billigen Romanen die Krankenschwester in den Arzt. Und ehrlich: Es ist ein wirklich dämlicher Anblick, wenn man inmitten einer hitzig geführten Rentendebatte irgendwo in der Kasseler Pampa, aus den Augenwinkeln nach Bildern sucht und ständig ein liebeskrankes Grinsen neben sich entdeckt. Und anders, als im Roman, ist man ihr jetzt schutzlos ausgeliefert.
Zieht der Kameramann normalerweise den Helfer mit dem Kabel hinter sich her, so dreht Plüschauge jetzt den Spieß einfach um. Langsam, fast unmerklich robbt sie von Einstellung zu Einstellung näher an mich heran und ich habe das Gefühl an einer Hundeleine geführt zu werden.
Ich muß sie jetzt beschäftigen - das Näherkommen verhindern.
Da entdecke ich eine Lücke in den Zuschauerreihen, in die ich nur allein hineinpasse. Sie liegt diagonal gegenüber meiner Position und dazwischen befindet sich das Minenfeld der Moderation. Das ist jene große Fläche, in der meist der Moderator steht und die Sendung in alle Himmelsrichtungen leitet. Sie ist fast leer, bietet keine Deckung und jede andere Kamera kann mich dort extrem leicht “abschießen”.
Ich signalisiere also meiner Kabelhilfe, dass sie da nicht mitkommen kann und unbedingt zurückbleiben muß. Dummerweise war ich mit dieser Aktion aber so beschäftigt, dass ich einen Wechsel in der Moderation fast übersehen hätte, denn in dem Augenblick, als ich über diese Fläche hechten wollte, kam mir schon der Moderator entgegen und so blieb mir nichts anderes übrig, als auf der Stelle wieder zurück zu springen.
Zurück genau in die Arme meiner Kabelhilfe, die die Nische aus der ich gekommen bin, inzwischen bereits besetzt hielt.
Nein, Herrschaften, es gibt in dieser Situation keinen schlimmeren Beruf.
Keinem Kollegen, der dieses Katz und Mausspiel schon seit Tagen genüsslich mitverfolgt hat, ist das entgangen und alle grinsten jetzt, wie die Hyänen zu mir herüber.
Es dauerte noch eine geraume Zeit, bis ich endlich nicht mehr nach “meiner kleinen runden Kabeltrommel” gefragt wurde.