Die doppelte Rosskurtortur

Immer, wenn es unplanmäßig kalt wird, schnappt bei uns die Erkältungsfalle zu. Und fast immer erwischt es mich. Dann liege ich im Bett und schwitze mich von einer gefühlten Ohnmacht in die nächste. Das ginge sicherlich erträglicher, denn moderne Arzneien können begleitende Wehwehchen lindern. Aber Lilo kann Chemiekeulen nicht leiden und ihre Augen werden jedesmal zu schmalen Schlitzen, wenn ich davon anfange. Begleitet von einem spöttischen Lächeln, dass ich Memme das nicht aushalte.
So bleibt mir zum Gesundwerden nur so eine Art Kneipp’sche Regeneration,
oder wie ich es gerne nenne: Die doppelte Rosskurtortur.
Diesmal aber hat es Lilo erwischt und wie immer, demonstriert sie mir ihre heldenhafte Bekämpfung, indem sie einen Schowhusten extra für mich in das Taschentuch knattert.
Voller Mitgefühl streiche ich über ihre glühende Wangen, erwäge Moorpackungen, plane den Gang zum nächsten Kräuterladen, als mir der Schokogeruch auf ihrer Stirn auffällt.
“Endlich mal eine natürliche Erkältungscreme, die nach etwas anderem, als nach Thymian riecht”, denke ich noch und frage nach.
Verlegen lächelt sie.
Dann fängt sie sich.
“Du musst Böses mit bösem bekämpfen”.
Übersetzt heißt das in etwa, dass sie, während ich bei Dreharbeiten unterwegs war, einen ausgiebigen Besuch bei einem bekannten Burgerbrater unternommen hat. Anschließend kaufte sie bei der Tankstelle um die Ecke noch einen Riesenbecher Schokoladeneis, bevor sie wieder matt ins Bett fiel.
So matt, dass sie sich keinen Löffel mehr aus der Küche holen konnte und so das Eis mit Finger- und Zungenverenkungen aus der Packung schleckte.
Mit eiskalten Wadenwickel helfe ich ihr wieder auf die Sprünge.


