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Der Daschner Prozess.

Filed under: | Mathias | 26. Nov 2004 | 03:38 Uhr

fotohandy

Oft erkennt man die Tage, an denen man besser zuhause geblieben wäre, bereits beim verlassen der eigenen vier Wände. Ich musste heute morgen schon um 5:45 Uhr in die eiskalte Dunkelheit hinaus. Grund: Das zu erwartende großes Mediengedränge wegen des Daschner Prozesses.

Ein handflächenbreiter rosa Streifen ist in der Nacht auf der Beifahrerseite meines Smarts aufgesprüht worden. Er beginnt zwei Wagen vor mir am Rückspiegel eines schwarzen Clio und reicht bis Mitte eines alten VW-Passats hinter mir. Ich wusste ja, dass es Unglück bringt, wenn man schon vor dem Frühstück das Haus verlässt. Immerhin – der Wagen startet, trotz der wirklich eisigen Kälte, ohne Probleme.

Nach gut hundert Metern steige ich wieder aus und kratze fluchend die erneut einfrierenden Scheiben frei. Was für einen dämlichen Eiskratzer ich doch habe. Einen mordsmäßigen Griff aus rutschfreiem Neoprengummi, gleichzeitig aber die Kratzfläche so dumm gewölbt, dass man damit nur zwei schmale Streifchen an den Enden freilegt. Ich pfeffere das blöde Ding in den Fußraum und nehme mir die dafür bestens geeignete Sparkassencard.

Endlich bin ich auf den Weg nach Frankfurt.

Ich liege gut in der Zeit und kann es mir leisten, einen Bäcker zu suchen.
In der Wiener Feinbäckerei, werde ich erst einmal ansatzlos angemault, weil ich mich nach einer Käsestange erkundige. Käsestangen kommen (das muß man doch wissen!) frühestens um halb sieben. Interessant war die Bestrafung für diese kesse Vermutung. Ich durfte der unappetitlichen Verkäuferin die 80 Cent für die beiden Baguettebrötchen nicht in die kleine fettige Hand hineinzählen, sondern mußte sie demütigst in die gewölbte Schale auf der Theke legen. Hätte ich mich noch zusätzlich, wie ein Japaner verbeugen sollen?

Ich fahre zum Pakplatz und gehe zum vereinbarten Treffpunkt, wo ich Klaus, unseren heutigen Aufnahmeleiter auch schon treffe.

Und?

Nix und. Wir sind zum Gericht, haben den halben Tag dort vor der Tür gestanden und uns den Hintern abgefroren. Kein Richter, kein Anwalt, kein Angeklagter. Nur ein müder Aufsager gegen 9 Uhr, den sowieso niemand sieht. Drei eigene Teams sind eh’ vor Ort und um 14 Uhr kommt die nächste Schicht, die dann was zu tun bekommt.

Situationen, in denen man zu einer willkommenen kleinen Touristenattraktion für vorbeikommende Schüler wird, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollen, ihr neues Fotohandy damit auszuprobieren, sich gegenseitig mit einem echten Fernseh-Mikro (“ist ja kewl!”) zu fotografieren.

Sagte ich bereits, dass es Tage gibt, an denen man besser zuhause bleibt?

Die Lottozange

Filed under: | Mathias | 08. Nov 2004 | 21:59 Uhr

Lottozange

Ich kenne keine Regelsendung, die heute noch mindestens dreimal geprobt wird, bevor man mit ihr live ins Programm geht. Doch – eine. Lotto. Das ist die Sendung bei der die jungen Kollegen weiche Knie bekommen, wenn sie sie zum ersten mal machen.

Lotto ist so etwas wie der Prüfstein der Rotlichtangst.
Rotlichtangst? – Dazu stellen wir uns mal vor, dass wir an einer Kamera stehen und wissen, dass millionen von Zuschauer genau das Bild sehen können, was wir gerade machen. Wenn wir nun wackeln, oder gar unscharf sind, dann sehen das alle und ich meine wirklich alle. Jeder Fehler, den wir jetzt machen ist nicht mehr zu retten, und könnte in besonders schweren Fällen, schon morgen in der Zeitung stehen.

Man spürt auch die Blicke der anderen im Studio. Allen voran, die offiziellen Menschen, die auf die penible Durchführung der Ziehung achten, und argwönisch unseren Kamerabewegungen folgen, damit man ihnen ja nicht die Sicht versperrt. Darum sind auch dieses Niemandsland, in die wir auf keinen Fall mit der Kamera hineingeraten dürfen, mit grellgelben Markierungen auf dem Boden gekennzeichnet.

Alles ist derartig genau festgelegt, dass ein unbeteidigter Zuschauer glauben muß, dass man sich als erfahrener Kameramann vor Langeweile die Beine in den Bauch steht. Für die Proben mag das ja noch stimmen, aber ich kenne keinen Kollegen, der sich nicht besonders viel Mühe gibt, wenn dann die Sendung beginnt.

Und wer will schon wegen eines dämlichen Fehlers erst in die Zeitung, dann vor die Tür gesetzt werden?

Das macht nervös. Besonders den oben erwähnten jungen Kollegen, der das zum ersten mal macht und sobald das kleine fiese rote Lämpchen im Sucher angeht weiß er das. Manche fixieren dieses glimmende Licht dann so sehr, dass sie unwillkürlich zusammenfahren, wenn es aufleuchtet. Das kann man im Fernsehen dann daran erkennen, dass das Kamerabild kurz nachdem es geschnitten wurde, ein klein wenig nach oben zuckt.

Diese Kollegen müssen auch schon schlucken, wenn sie nur die Zange sehen, mit der die richtigen Lottokugeln behutsam eingesetzt werden, nachdem man die ordinären Probekugeln aus dem Ziehungsgerät entfernt hat.

Kamerakontrolle

Filed under: | Mathias | 04. Nov 2004 | 05:22 Uhr

maren

Kamerakontrolle ist der Sammelbegriff für all das, was sich technisch mit unseren Kameras beschäftigt. Wenn wir also an der Kiste stehen und der Sucher irgendwie matschig aussieht, oder die Kamera nicht im Gleichgewicht ist und ständig nach vorne überkippt, dann drücken wir links ein kleines unscheinbares Knöpfchen, worauf es kurze Zeit später im Kopfhörer knackt und eine Stimme “Kammerakontrolle” vor sich hin murmelt. Ich bin dann sozusagen mit dem anderen Ende jenes roten Kabels verbunden, dass die Kabelhelfer hinter mir, immer unter grossem Stoßsäufzern zu zähmen versuchen.

Die Kollegen auf der anderen Seite dieser Telefonleitung (Neudeutsch: Intercom) steuern und regeln unsere Kameras, sodass wir zum Beispiel keine Blende mehr ziehen müssen. Kurzum: Es ist enorm praktisch, solche Kollegen zu haben. Damit das aber auch reibungslos läuft, befindet sich stets einer von ihnen in unserer Nähe, denn nicht immer lassen sich die Probleme an der Kamera mit den Kameraleuten direkt lösen. Das Auflagemaß ist da so ein hübsches Beispiel. Praktisch unsichtbar sorgen sie, wie Wichtel im Hintergrund dafür, dass die Kameras bei Regen eine wasserdichte Haube erhalten, ein Stativ dort steht, wo es hin soll und dass das, was wir so drehen, seinen geheimnisvollen Weg über die Sendeschüssel auf dem Dach des Übertragungswagens in das Studio im Rundfunkgebäude findet. Tja und manchmal zeigen sie einem Menschen auch, der als Kameramann eingekauft wurde, geduldig wo der Sucher ist.

Manchmal übersehen die eitleren Kameraleute unter uns einfach, dass die Kameratechniker die ersten sind, die unsere Bilder zu Gesicht bekommen und darum können sie auch sehen, wie wir zu ihnen gekommen sind. Beängstigend viele unter ihnen sind in der Lage, gute von schlechten Bildern zu unterscheiden und hinter so manch technisch klingenden Bemerkung versteckt sich ein bitterböser ironischer Kommetar zu der Kameraarbeit.

Maren zum Beispiel, muß man schon ein wenig kennen, bevor man ihre Kommentare und Blicke richtig einordnen kann und man sollte sich bloß nicht in Sicherheit wiegen, wenn sie wortkarg wieder einmal so tut, als interessiere sie gerade nichts…

Olympiaball

Filed under: | Mathias | 13. Okt 2004 | 20:50 Uhr

ballfee

Am vergangenen Samstag im Kurhaus Wiesbaden. Bei den Vorbereitungen mittags begegnet mir eine ältere Dame, die mich danach fragt, was das heute abend für ein Event sei. Es ist die olympische Ballnacht, bei der die hessischen Sportler, die in Athen irgendetwas gerissen haben, geehrt werden sollen. Später bekomme ich von Klaus, unserem Aufnahmeleiter, eine Flanierkarte (Mitarbeiter/Künstler/Presse) in die Hand gedrückt. Ja Herrschaftszeiten, wenn wir schon unsere Sprache mit beiden Händen aus dem Fenster werfen, wieso heisst das Ding jetzt nicht walkaround-ticket?

Sonntags im Maintower

Filed under: | Mathias | 11. Okt 2004 | 19:33 Uhr

panlas
Sonntags ist der Maintower inzwischen geschlossen. Kein vernünftiger Mensch rennt dort noch herum. Das heisst nicht ganz: das einzige, was sich hier noch in Europas höchstem Studio bewegt, ist das Fernsehen selber. Die sowieso recht eigenwillige benachbarte Maintower-Bar hat vor einer Woche den Sonntagsdienst quittiert und da sie das völlig überraschend tat, führte das auch zu der ein, oder anderen kuriosen Panne. Diese Woche hielten sich z.B. ein paar Frauen gegenseitig die Toilettentüre auf, da es dort kein Licht mehr gab. Sieht ulkig aus, wenn dieses “Kettenlicht” eingerichtet wird. Eine Dame hält die Studiotüre auf, um den Flur aufzuhellen. Eine zweite macht das gleiche mit der Türe zum Toilettenraum. Ob eine dritte nun die Klotüre selbst aufhält, wollte ich diskreterweise nicht herausfinden – ich habe mich grinsend verdrückt. Eine neue Aufgabe für den Lichtsezenden Kameramann? Wo sollen eigentlich die Herren Pipi machen? Im Gegensatz zu den Damen, befindet sich die Herrentoilette nämlich inmitten der Bar und ist vom Studio aus nicht erreichbar. Vielleicht werden sie künftig einzeln einen Stock höher an der Maske vorbei, zu den Redaktionstoiletten geführt. Wir selbst haben etwas Glück im Unglück, denn unsere Aufnahmeleiter haben mit viel goodwill irgendwie einen unauffälligen Schlüssel zur Bar geschnorrt. Das ist vor allem für die Raucher im Team wichtig, die sich sonst nirgends im Haus mehr (auch auf dem Dach nicht) eine Fluppe anzünden dürfen.

So herrscht jetzt eine seltsame Melancholie in der 53. Etage und ich frage mich: “Wird es zur Weihnachtszeit hier oben vereisen, wie bei Dr. Schiwago?”

[Update:]
Das glaubt mir doch wieder keiner. Seit vergangenen Sonntag (17.10.) werden Taschenlampen ausgegeben, die jeder benutzen darf, der mal muß.

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