Kylaloo

StartseiteNeu hierkontaktImpressumdownloads

weiberfastnacht

Filed under: | Mathias | 01. Feb 2005 | 01:10 Uhr

mike

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen und schon kommt das erste saisonal wiederkehrende Drama. Der Karneval. “Ach nein, nicht jetzt!” “Schreib doch über etwas anderes. etwas lustiges.” Als ob Karneval nicht lustig wäre. Schon mal aus der Not heraus Frauenklamotten angezogen, weil weit und breit keine einzige Kamerafrau zu finden war, die beim Weiberfasching Zeit gehabt hätte?

Faschingsausländer sollten wissen, dass zu dieser Veranstaltung Männer grundsätzlich nicht zugelassen sind. Doch beim Fernsehpersonal drückt man mangels “Humankapitals” schon mal beide Augen zu. So entstand also vor ein paar Jahren eine ganz neue Tradition: Der als Frau verkleidete Kameramann. Auch wenn wir inzwischen reichlich Frauen in der Mannschaft haben, wird daran festgehalten, wie bei jeder guten Tradition. Lustig finden es sicher die Außenstehenden, wenn mit der Zunahme des Alkoholspiegels auch die Hemmungen fallen. Dann wird nämlich kreischend den Kameramännern in Frauenklamotten nachgestellt. Wir kriegen jetzt all das ab, was Männer ihren drallen Frauenzimmern über die Jahre an Respektlosigkeiten angetan haben. Uns wird in den Arsch gekniffen und das kann richtig weh tun.

Gewissensfrage

Filed under: | Mathias | 06. Jan 2005 | 15:56 Uhr

tsunami

Ich erinnere mich noch genau an eine Diskussion, die wir unter Kollegen einmal zu dem Thema "hinhalten, oder helfen?" führten. Es ging um die moralische Kompetenz in unserem Beruf. Wann schaltet man die Kamera aus um jemanden zu retten? Was zeigt man, was lässt man weg?

Entzündet hatte sich diese Debatte an einem Vorfall bei einer Überschwemmung vor vielen Jahren in Indien. Ein amerikanischer Kameramann hatte ein Kind entdeckt, dass sich in einem Wasseloch irgendwie eingeklemmt hatte und nicht mehr herauskam. Verzweifelt versuchte es freizukommen und rief um Hilfe. Statt ihr aber zu helfen, drehte dieser Kameramann den gesamten Todeskampf des kleinen Mädchens. Wie wir weiter erfuhren, begründete er damals sein Handeln damit, dass er dem Mädchen sowieso nicht mehr helfen konnte und darum den dringenden Wunsch hatte dieses unglaubliche Unglück der Weltöffentlichkeit mit möglichst eindringlichen Bildern vor Augen zu führen.

Vielleicht zwei Jahr später, ich war noch Kameraassistent, bot mir ein Redakteur seine Hilfe an, vorzeitig Kameramann zu werden. Er hatte, wie man so sagt, die besten Beziehungen und so war ich gut damit beraten, sein Angebot auch ernst zu nehmen. Die Bedingung hatte es aber in sich: Kriegsberichterstattung in Sarajevo. Ohne lange zu überlegen, lehnte ich ab und mußte ein Jahr länger darauf warten Kameramann zu werden. Wenn man sich auf das Leid anderer konzentriert, macht man nicht nur hierzulande Karriere, so ist das. Er machte sie, obwohl gut zwei duzend Kollegen in seiner Umgebung im Job besser waren. Er war dafür aber in Krisengebieten unterwegs gewesen.

In diesen Tagen musste ich öfter daran denken.

Konzertangst

Filed under: | Mathias | 25. Dez 2004 | 06:58 Uhr

weihnachtsoratorium

Heute muß Daniel ran. Ob er will oder nicht.
Seine Kamera wird am abend live im Fernsehen zu sehen sein. Nägelkauend denkt er darüber nach, wie er da hindurch kommt. Dabei hat er nicht einmal eine schwierige zugeteilt bekommen. Er sitzt in der Ehrenloge genau gegenüber der Bühne und ist im wesentlichen für die Totale zuständig. Er kann froh sein, nicht die andere (leichte) Kamera machen zu müssen. Der Kollege zum Beispiel, der später den Dirigenten drehen wird, kann einem wirklich leid tun. Er muß für die Dauer des gesamten Konzerts, mit seinem Leih-Smoking aus dem Fundus auf einem Alukoffer kauern, der irgendwo im Orchester hinter den Oboen eingequetscht steht.
(weiterlesen…)

Kleine, runde Kabeltrommel

Filed under: | Mathias | 14. Dez 2004 | 23:51 Uhr

kabeldrei

Die vertrauten Gefährten der Kameramänner sind ihre Kabelhelfer. Sie hören sein Fluchen, können sehen, wie er schwitzt und sofern sie die Antennen für soetwas haben, spüren sie sogar seine versteckten Launen. Wenn sie so richtig gut sind, ja dann beruhigen sie ihn, loben seine tollen Bilder, und wissen stets bei welchem Programmpunkt man sich gerade befindet und wohin man für die nächste Position rennen muß.

Man merkt schon: Diese Beziehung hat eine Menge mit Vertrauen zu tun.

Problematisch kann diese Beziehung nur dann werden, wenn sich dieses Vertrauen einseitig in eine Liebelei wandelt. Wenn sich beispielsweise die Kabelhilfe in den Kameramann verguckt, wie in billigen Romanen die Krankenschwester in den Arzt. Und ehrlich: Es ist ein wirklich dämlicher Anblick, wenn man inmitten einer hitzig geführten Rentendebatte irgendwo in der Kasseler Pampa, aus den Augenwinkeln nach Bildern sucht und ständig ein liebeskrankes Grinsen neben sich entdeckt. Aber anders, als im Roman, ist man ihr jetzt schutzlos ausgeliefert.

Denn zieht der Kameramann normalerweise den Helfer mit dem Kabel hinter sich her, so dreht Plüschauge jetzt den Spieß einfach um. Langsam, fast unmerklich robbt sie von Einstellung zu Einstellung näher an mich heran und ich habe das Gefühl an einer Hundeleine geführt zu werden.

Ich muß sie jetzt beschäftigen – das Näherkommen verhindern.

Da entdecke ich eine Lücke in den Zuschauerreihen, in die ich nur allein hineinpasse. Sie liegt diagonal gegenüber meiner Position und dazwischen befindet sich das Minenfeld der Moderation. Das ist jene große Fläche, in der meist der Moderator steht und die Sendung in alle Himmelsrichtungen leitet. Sie ist fast leer, bietet keine Deckung und jede andere Kamera kann mich dort extrem leicht “abschießen”.

Ich signalisiere also meiner Kabelhilfe, dass sie da nicht mitkommen kann und unbedingt zurückbleiben muß. Dummerweise war ich mit dieser Aktion aber so beschäftigt, dass ich einen Wechsel in der Moderation fast übersehen hätte, denn in dem Augenblick, als ich über diese Fläche hechten wollte, kam mir schon der Moderator entgegen und so blieb mir nichts anderes übrig, als auf der Stelle wieder zurück zu springen.

Zurück genau in die Arme meiner Kabelhilfe, die die Nische aus der ich gekommen bin, inzwischen bereits besetzt hielt.

Nein, Herrschaften, es gibt in dieser Situation keinen schlimmeren Beruf.

Keinem Kollegen, der dieses Katz und Mausspiel schon seit Tagen genüsslich mitverfolgt hat, ist das entgangen und alle grinsten jetzt, wie die Hyänen zu mir herüber.

Es dauerte noch eine geraume Zeit, bis ich endlich nicht mehr nach “meiner kleinen runden Kabeltrommel” gefragt wurde.

Uwes Aufschnitt

Filed under: | Mathias | 10. Dez 2004 | 23:26 Uhr

ablauf

Spätestens, als mir einmal die Regie “mach’s mal klooser” in den Kopfhörer säuselte, wusste ich, dass auch unsere Fachsprache dem allgemeinen Trend folgt, und den Bach runtergeht. Klooser. Ein sprachlicher Eiswürfel, dem man mir da hinten in den Pulli gesteckt hat. Ich konterte mit der Frage: “Soll ich danach noch ein Royal Flash machen?” Prompt fiel das abgebrochene Germanistikstudium darauf herein. “Was soll das denn sein?” Ich antworte: “Eine Totale mit allen Lampen drin”, und wenn Moni unsere Bildmischerin an dieser Stelle jetzt nicht losgeprustet hätte, wer weiß, vielleicht wäre ich mit einer eigenen neuen Wortschöpfung ins Fachbuch der Fernsehsprache eingetragen worden.

Die Einstellungsgrößen der Kamerabilder waren schon immer ein heikles Thema. Vor allem dann, wenn ein Redakteur wieder die Vokabeln verwechselt, und mit einem hektischen “mach’s größer!” eigentlich erreichen wollte, dass wir totaler werden. Das Gegenteil von klooser sozusagen.

Aber was sollen sie auch machen? Für die Totale eines Zwiegesprächs gibt es nunmal viele Bezeichnungen. “Geh’ mach’s mir a doppel”, sagte einmal ein Östereicher dazu und meinte eine “Zweier”, wie wir das nennen. Varianten wären jetzt noch eine enge und eine weite Zweier. Vielleicht ist Florian damals in der Late Lounge Regiebesprechung zu weit gegangen, als er mit Blick auf den Studiogast Dolly Buster grinsend klarstellte, dass eine enge Zweier auch diesmal klassisch gemeint sei.

Genauso klassisch etwa, wie die Art, eine besinnliche Sendung mit weihnachtlicher Musik der Frankfurter Turmbläser beginnen zu lassen um dann nach etwa 30 Sekunden den Moderator ins Bild zu nehmen, während – und das ist jetzt wichtig – akustisch die Musik im Hintergund weitergeht.

Oder anders: Uwe wird nach 30 Sekunden aufgeschnitten.

XHTML | CSS | Atom | RSS | © 2008 by Mathias Hundt | made with WordPress 3.2.1