Der journalistische Praktikant

Um ins Fernsehen zu kommen macht er alles. Er rennt gleich am Anfang der Woche zum Bäcker und holt Kürbiskernbrötchen. Dann 4 Zeitungen und ‘ne Packung Marlboro am Kiosk daneben. So, jetzt ab in die Redaktion Kaffe kochen und die lahmarschigen Computer hochfahren. Zum Schluss noch die Ticker aus der Region herausfiltern, ausdrucken und mit einem grünen Textmarker die guten Nachrichten anstreichen und mit einem roten Stift die besonders wichtigen.
Die Kernarbeitszeit beginnt - es ist Acht Uhr.
Den Rest der redaktionellen Abläufe hat der Praktikant auch schnell erlernt.
Recherche zum Beispiel, bedeutet schlicht Termine für den Reporter klarzumachen. Gibt es etwas umsonst, oder ist das richtige Fernsehen da, geht Fuzzi selber hin, ansonsten er. Schließlich soll er hier auch was lernen, sagt Fuzzi dann gerne.
Die Sache mit dem professionellen digitalen Audioschnitt, den er lernen sollte, war dann auch leichter, als er dachte. Die Software kennt er nämlich bereits von seinem Schülerradio und er hat sie auch zuhause. Kein Wunder - sie ist Open Source und damit kostenfrei. So konnte der Praktikant dem Chef auch beibringen, wie man die Schnitte, für die er sonst Tage brauchte, in gut einer halben Stunde erledigt hat.
Na der hat gestaunt und seitdem darf der Praktikant ihm auch alle seine Berichte machen, während er mit seinen Interviewpartnern beim Arbeitsessen zusammensitzt.
Neuerdings darf er am Mikrofon bis zehn zählen, damit Fuzzi seine Geräte pegeln kann. Diese Sprechübungen sind dem Praktikant besonders wichtig und bevor er abends ins Bett fällt übt er sie. Ich glaube er macht das gut, denn korrigiert hat ihn Fuzzi bislang noch nicht.
Das beste zum Schluß. Den Parkplatz braucht er nicht.
Er hat nämlisch kein Auto - das kann er sich nicht leisten.


