Brummhotel

Schon an der Rezeption fiel es mir unangenehm auf. So ein dumpfes, tiefes Brummen. Da ich aber neben einem Weinschrank mit elektrischer Kühlung stand, dachte ich zunächst, dass man nur dieses blöde Ding etwas von der Wand rücken muss, damit das Gebrumme endlich aufhört. Wie mich das aufregt, dass die Tante an der Rezeption wohl taub ist und den Zustand einfach ignoriert. Heutzutage hört ja keiner mehr Störgeräusche in seiner Umgebung, so wie sich in Hamburgerläden auch keiner mehr am insistierenden Pfeifen der Friteusen stört, oder auf Tankstellen am rauschenden Radio.

Gut dass ich jetzt meinen Schlüssel bekomme und zum Aufzug gehen kann.

Im Aufzug wird das Brummen lauter. Ah, das ist also der Übeltäter. Wie blöd, dass jetzt nur noch Fachleute der Aufzugsfirma das wahrscheinlich abstellen können. Die haben jetzt Feierabend und sind sicher nicht mehr erreichbar.

Na hoffentlich ist mein Zimmer also nicht zu nah am Aufzug.

Doch isses. Direkt nebendran sogar und das Brummen ist im Zimmer laut und deutlich zu hören. So laut, dass ich mittlerweile den Verdacht habe, dass es die Klimaanlage im Hotel sein muss, die da so einen Lärm macht. Böse schaue ich nach oben, dort, wo die Schlitze der Anlage zu sehen sind und überlege, ob ich gleich mal runter gehe und das mit der Rezeption bespreche. Nee, besser noch, ich rufe sie an.

Auf dem Weg zum Telefon wird das Brummen noch lauter. Ist ganz nah. So nah, dass es unmöglich die Klimaanlage sein kann. Mein Blick fällt auf meinen Koffer. Ungläubig starre ich ihn an. Hat Lilo mir einen Wecker gekauft und zugesteckt? Ich lege vorsichtig die Hand auf den Tragegriff. Tatsächlich – das Brummen kommt aus dem Koffer. Ich öffne ihn, taste herum, greife in den Kulturbeutel und halte plötzlich meine elektrische Zahnbürste in der Hand.

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