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Koalitionspapier

Abgelegt unter: | Mathias | 24. Okt 2008 | 20:23 Uhr

koalitionsvertrag

Die Verhandlungen zwischen SPD und Grünen fanden also auf einem Öko Hof statt. Das klingt zunächst nach dem Klischee einer pazifistischen WG. Norwegerpulli, selbstgetöpferte Tassen und so. Einen bizarren Nebengeschmack bekommt das alles aber, wenn man sich dort genauer umschaut. Denn direkt neben dem Hof ist eine amerikanische Kaserne. Und zwar so dicht, dass man sich gemeinsam eine Bushaltestelle teilt. Eine Airbase, deren Vorbild Fort Knox sein könnte. Mit Drahtzaun, Wachtürmen und Suchscheinwerfern, die aus frühen Agentenfilmen entsprungen sein könnten.

Fast habe ich das Gefühl Schwarzweiss zu sehen.

Während sich also alle Journalisten beim Warten die Beine in den Bauch stehen, schaue ich Leuten beim Einkaufen zu. Ich habe mich ja schon immer gefragt, wo die dicken Brieftaschen eigentlich ihr Geld lassen. Bei Aldi sieht man sie ja nur, wenn der Champagner im Angebot ist.

Hier auf dem Hof dürfen sie sich der Illusion hingeben, ganz gewöhnliche Menschen zu sein. Stundenlang könnte ich zusehen, wie sie beim Aussteigen den Pelz zurechtzupfen und so tun, als würden sie wie das einfache Volk einkaufen.

Der Ort, an dem Rot/Grün in Hessen einen linken Wechsel einläuten will.

Irgendwie hatte ich mir das aufregender vorgestellt.
Die endlos langen Tage und Nächte sind vorbei, die Schattenminister benannt und die Kolonne von Politikern mitsamt den wichtigen Korrespondenten zurück nach Wiesbaden geeilt.

Es liegt da. Achtlos auf einer Fensterbank im Öko-Hof vergessen.
Das Original, wie es die übernächtigte Sekretärin getippt hatte.

Ich zähle auf euch

Abgelegt unter: | Mathias | 13. Okt 2008 | 10:00 Uhr

Buchmesse

Alles toll, alles neu. Einen besseren Zeitpunkt die Kategorie VJ einzuführen, wird sich so schnell nicht ergeben, denke ich. VJ steht hierbei für “Videojournalist” und ist im Fernsehjargon der gängige Begriff für Leute, die drehen, schneiden, vertonen und texten. Alles in einer Person. Die journalistische Wollmilchchsau sozusagen.

Diese Woche bin ich als Videoblogger für arte und den Hessischen Rundfunk unterwegs. Hochoffiziell begleiten insgesamt fünf VJ’s als Blogger die Internationale Buchmesse in Frankfurt. Das Blog ist - wie soll es auch anders sein - ein WordPress Blog und so war es für mich auch eine witzige Situation, als mich die IT anmailte und nach einem Termin für eine Unterweisung für uns fünf bat, in der wir WordPress kennen lernen sollten.

Ein normales Blog, also eins, in dem man so ganz einfach nur schreibt und Bilder reinklebt, wäre mir tausendmal leichter gefallen. Wir sollen uns nämlich mit der Kamera auch mal selber zeigen und keiner von uns ist jetzt so eine Rampensau, die unbedingt ins Showlicht muß. Seid also bitte halbwegs human, wenn ihr uns verreißt und Tiernamen gebt.

Wäre auch nett, wenn der ein, oder andere uns mit einem aufmunternden Kommentar unter die Arme greift, denn das dient so ganz nebenbei auch der Zukunft: Wird dieser Testballon nämlich halbwegs ein Erfolg, dann wollen die beiden Fernsehsender das mit uns bei Großveranstaltungen öfters mal machen.

Der journalistische Praktikant

Abgelegt unter: | Mathias | 08. Okt 2008 | 00:07 Uhr

verguetung

Um ins Fernsehen zu kommen macht er alles. Er rennt gleich am Anfang der Woche zum Bäcker und holt Kürbiskernbrötchen. Dann 4 Zeitungen und ‘ne Packung Marlboro am Kiosk daneben. So, jetzt ab in die Redaktion Kaffe kochen und die lahmarschigen Computer hochfahren. Zum Schluss noch die Ticker aus der Region herausfiltern, ausdrucken und mit einem grünen Textmarker die guten Nachrichten anstreichen und mit einem roten Stift die besonders wichtigen.

Die Kernarbeitszeit beginnt - es ist Acht Uhr.

Den Rest der redaktionellen Abläufe hat der Praktikant auch schnell erlernt.
Recherche zum Beispiel, bedeutet schlicht Termine für den Reporter klarzumachen. Gibt es etwas umsonst, oder ist das richtige Fernsehen da, geht Fuzzi selber hin, ansonsten er. Schließlich soll er hier auch was lernen, sagt Fuzzi dann gerne.

Die Sache mit dem professionellen digitalen Audioschnitt, den er lernen sollte, war dann auch leichter, als er dachte. Die Software kennt er nämlich bereits von seinem Schülerradio und er hat sie auch zuhause. Kein Wunder - sie ist Open Source und damit kostenfrei. So konnte der Praktikant dem Chef auch beibringen, wie man die Schnitte, für die er sonst Tage brauchte, in gut einer halben Stunde erledigt hat.

Na der hat gestaunt und seitdem darf der Praktikant ihm auch alle seine Berichte machen, während er mit seinen Interviewpartnern beim Arbeitsessen zusammensitzt.

Neuerdings darf er am Mikrofon bis zehn zählen, damit Fuzzi seine Geräte pegeln kann. Diese Sprechübungen sind dem Praktikant besonders wichtig und bevor er abends ins Bett fällt übt er sie. Ich glaube er macht das gut, denn korrigiert hat ihn Fuzzi bislang noch nicht.

Das beste zum Schluß. Den Parkplatz braucht er nicht.
Er hat nämlich kein Auto - das kann er sich nicht leisten.

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