Es ist noch gar nicht so lange her, als Lilo und ich in einer alten Fabrik in Offenbach lebten. Ein herrliches Loft mit satten 350 m2 Platz. Die größten Nachteile waren allerdings die Heizkosten und dass wir uns alles selber herrichten mussten. Zum Beispiel wurde in 150 m2 schwarzen Molton investiert, damit wir auch alle Fenster unseres Fotostudios abdunkeln konnten.
Ein romantischer Platz.
Vor allem Nachts, wenn aus allen Ecken der Fabrik so komische Geräusche zu uns durchdrangen und wir ständig das Gefühl hatten, das da doch eben etwas über den Hof gehuscht ist.
Es war Silvester, so wie heute.
Wir machen uns für eine Party bereit, als es unter uns laut metallisch krachte. Ich suche instinktiv zur Verteidigung meines Weibchens eine Eisenstange oder ähnliches. Das dauerte natürlich etwas, denn so eine Eisenstange liegt selbst in Industrieregalen immer eher irgendwo hinter einem Haufen Unrat, den ich jetzt möglichst lautlos zur Seite räumen will.
Bei Einbrechern muss man höllisch aufpassen, denke ich noch und mein Adrenalinspiegel pocht an meinen Schläfen. Jetzt gilt es strategisch zu denken um sein Hab und Gut optimal vor Bösewichten zu verteidigen. Bruce Willis begleitet mich in den folgenden Minuten geistig auf meiner Mission.
Und Lilo?
Sie sprang wutentbrannt die Treppe ein Stockwerk hinunter, stemmte ihre Fäuste in die Hüfte und schrie den Einbrecher durch die geschlossene Türe an. Was er da täte und überhaupt, wie er eigentlich heisst? Völlig verdattert entschuldigte der sich, nannte seinen Namen Frank und rannte, nachdem er die Situation realisiert hatte, rückwärts durch das ganze Stockwerk hindurch zur Hinterseite des Gebäudes, um dort aus dem Fenster zu verschwinden, in das er vor einer Stunde eingestiegen war.
Ich habe in der Zwischenzeit oben in unserem Loft endlich eine passende Stange gefunden und war nun bereit Lilo so zu verteidigen, wie es sich für einen echten mutigen Kerl gehört.