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Neulich im Parkhaus

Abgelegt unter: | Mathias | 20. Sep 2005 | 10:52 Uhr

parkhaus

Wie spät? Halb vier schon?
Lilo und ich rennen an der Börse vorbei ins Parkhaus. Wir müsen jetzt aber ganz schnell in den Sender, die Proben beginnen in einer halben Stunde. Während sie nach dem Schlüssel kramt und den Aufzug holt, bezahle ich am Automaten.

Der Aufzug kommt aber nicht. Besser: nicht schnell genug.

“Der Wagen steht im zweiten Stock. Lass uns das Stück laufen.”
Ich hasse Treppenlaufen in Parkhäusern. Die stinken immer so nach Urin.
Mürrisch willige ich also ein.

Dort angekommen, traben wir bis zum Ende der Halle.
“Komisch”, murmelt sie, “Mir war so, als hätte ich eine große Zwei gesehen, als ich ihn abgestellt habe.” “Dir war so?” Ungläubig glotze ich zurück zum Treppenhaus. “Vielleicht war es ja doch der dritte”, lächelt sie, wie Garfield.

“Wieviel Stockwerke hat das Parkhaus denn?”, frage ich, während wir uns mit tausend Tüten über die Schräge in die dritte Etage schieben.

“Ich weiß nicht, aber das Auto steht bestimmt nicht höher, als im dritten.”
“Bist Du dir sicher?” Ich stelle eine H&M Tasche ab und kratze mich am Kinn.
“Wenn nicht, dann nehmen wir uns jetzt den dämlichen Aufzug und kämpfen uns vom Dach aus hinunter.” “Doch, doch - Der ist ganz sicher hier. ” Lilo läuft entschlossen durch die Halle..

Im Dritten Stock fanden wir alles, nur nicht unser Auto.

Ich hole also den Aufzug und etwas angefressen frage ich, welches der sechs Stockwerke ich nun drücken soll.
“Also auf dem Dachgeschoß steht er auf keinen Fall - das wüsste ich.”
“Dann bleiben uns also noch fünf Stockwerke in den knapp 10 Minuten, die wir ohne Nachzahlung noch haben.

Im vierten Stock fand sie dann endlich den Wagen und drückte erleichtert den Entriegelungsknopf auf dem Schlüssel. Der Wagen reagiert aber nicht.
“Nee, das kann ich jetzt aber nicht gebrauchen. - Mistding!” Lilo drückt noch ein paarmal.

Erschrocken stelle ich fest, dass an diesen modernen Autos keine Schlösser mehr in den Türen sind. Auf der Suche nach einer Lösung umrunde ich das Auto und finde nur heraus, dass wir ein anderes Kennzeichen haben.

Als ich 20 Minuten später schweißgebadet aus dem Taxi hüpfe, fragt mich unser Aufnahmeleiter Georg irritiert, ob ich denn seine SMS nicht bekommen habe. Die Proben sind um zwei Stunden nach hinten verschoben worden, weil sich der Flieger mit dem Moderator verspätet hat.

Lilo hat in der Zwischenzeit das Auto am anderen Hallenende im Zweiten Stock gefunden, eine Kleinigkeit nachbezahlt und ist dann erst einmal zum beruhigen der Nerven in ihr Lieblingscafé gefahren. Sie hat Glück. Samstags muß sie nicht arbeiten, da trifft sie sich mit ihrer Freundin Nathalie.

Wir sind Kanzler!

Abgelegt unter: | Mathias | 19. Sep 2005 | 00:45 Uhr

wahlstudio

Wahlsendungen zu machen ist immer ein hartes Stück Arbeit. Dabei liegt die Herausforderung weniger im gestalterischen Schwierigkeitsgrad der Aufnahme, als vielmehr in der Konzentration. Das ist so ein bisschen, wie beim Skispringen. Ständig macht man die gleiche Bewegung, gerät dadurch in einen fließbandähnlichen Trott und muß höllisch aufpassen dass man die Ausnahmen nicht verpasst. Das gilt vor allem dann, wenn zu einer Außenstelle geschaltet wird und eine kleine trügerische Pause von vielleicht zwei Minuten entsteht.

In der Regie sprechen über die gesamte Sendezeit gut ein halbes Dutzend Leute ständig durcheinander, was so klingt, als würde man Nachrichten und Kommentare von vier Radiosendern gleichzeitig hören. Dummerweise kann man an der Kamera die Kopfhörer nicht einfach ausschalten, sondern muß selbständig aus dem Sprachwirrwar herausfiltern, was für einen selbst wichtig ist.

Tja, und dann wären da auch noch die Moderatoren, bei denen alle Informationen idealerweise zusammenlaufen. Unschwer zu verstehen, dass hier im Hintergrund unablässig gewunken, gedeutet und gezischelt wird und den Aufnahmeleitern in diesem babylonischen Durcheinander die Vermittlerrolle nicht gerade leicht gemacht wird.

Oder anders: Von den zwei Moderadoren, redet jetzt der linke und trägt die Ergebnisse des Landkreises Groß-Gerau vor, während der rechte unablässsig mit dem Finger fuchtelnd auf einen der Vorschaumonitore deutet und irgendetwas wissen will. Er bewegt dazu aber nur die Lippen, damit er dem anderen Moderator nicht hörbar dazwischenredet.

Wie üblich für diesen Berufstand, vertraut er dabei auf die hellseherischen Fähigkeiten der anderen Mitarbeiter. Das Schnattern in der Regie wird schlagartig lauter. Jeder versucht sich als Dolmetscher der Lippenbewegungen. Der erste vermutet, dass er nur ein Glas Wasser will, jemand anderes ist sich sicher, dass er angedeutet hat, dass gleich zur FDP geschaltet werden soll. Der Bildtechniker vermutet trocken, dass der Monitor möglicherweise ausgefallen ist und bittet uns, ihm den betreffenden Monitor mit der Kamera zu zeigen.

Das Fuchteln wird ärgerlicher und Barbara, unsere Aufnahmeleiterin, schleicht zu ihm hin.

“Er will wissen, ob das Interview mit Schröder, das er da sieht, gerade live in der ARD läuft, oder nur eine olle Aufzeichnung ist.”

Genau im Augenblick, in dem man ihm antworten will, wird der andere Moderator fertig und gibt zu ihm ab.

Upps.

Da er jetzt die Interviewfrage nicht klären konnte, moderiert er einfach einen netten Hintergrundbericht an.

Hektik. - Liegt der Bericht überhaupt vor?
Hmpfff… Glück gehabt, der Kollege von der MAZ hatte aufgepasst.

Very New Orleans

Abgelegt unter: | Mathias | 17. Sep 2005 | 06:01 Uhr

bushfishing
George und George zeigen stolz ihre erste New Orleaner Stadionforelle.

Wie wir sehen, muß man manchmal im Urlaub auch etwas improvisieren können.

Weiterführende Links:
Das vermutliche Original des Bildes
Kick out the republicans
Bullshit Deflector

Barbara und die Zeit

Abgelegt unter: | Mathias | 17. Sep 2005 | 04:14 Uhr

barbarauhr

Eine der vornehmsten Aufgaben des Aufnahmeleiters ist es, genau zu wissen, wie lange etwas dauert. Er wird gefragt, wie lange der Bericht noch läuft, ob der Moderator nochmal räuspern kann, oder wie viel er schon überzogen hat. Er muß wissen, wann in welche Kamera zu schauen ist und wie lange der Studiogast hinter dem Vorhang noch verharren muß, bis er vortreten darf.

Der Aufnahmeleiter ist die wandelnde Zeitmaschine im Fernsehen.

Glauben Sie nicht? Dann sehen Sie sich doch einmal Barbaras beruflichen Arm an.

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