Suppe danach
Der Tag nach der Wahl.
Kartoffelsuppe mit Würstchen im Bistro.
Eine künstlerische Annäherung an Jodis Suppe, erzählt in drei Bildern.



Der Tag nach der Wahl.
Kartoffelsuppe mit Würstchen im Bistro.
Eine künstlerische Annäherung an Jodis Suppe, erzählt in drei Bildern.




Wählerauftrag – Wählerauftrag. Ich kann den Blödsinn nicht mehr hören.
Jeder glaubt jetzt nach der Wahl, ein Recht auf seinen persönlichen Auftrag zu haben.
Guildo hat den Wählerauftrag, betonköpfig seine Ablehnung zu zementieren.
Joschka muß den Auftrag erfüllen, eine kleine dekadente schöpferische Schweigephase in der letzten Reihe abzuhängen, um sich in Ruhe seiner beiden Diäten zu widmen.
Eddi kommt, oder geht, oder kommt nur unter verwegenen Bedingungen, die niemand kennt. Ich bin mir sicher, er hat da irgendwo eine kleingedruckte Klausel in seinem persönlichen Wählerauftrag stehen, die ihm diesen Ringeltanz erlaubt, wenn er in Bayern weniger, als 50% holt. Die berüchtigte Stoiber’sche Wechselklausel.
Ach, und da wären ja auch noch Angie und Gerd, die eines, der miesesten Ergebnisse in der Geschichte ihrer Parteien eingefahren haben und trotzdem vor Kraft kaum laufen können. Das liegt wahrscheinlich daran, dass beide vor der Wahl schon verbindlich festlegen konnten, dass sie automatisch einen Kanzlerauftrag erhalten, sollte überhaupt jemand wählen gehen.
Gut – Dann sage ich es mal frei heraus. Schließlich bin ich der Wähler, von denen sie alle reden. Ich verbitte mir diese Aussagen bezüglich meines Wählerauftrags.

Heute ging für mich ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Ich durfte endlich durch den Spielertunnel auf das Spielfeld eines Fußballvereins laufen. Ich weiß, ich weiß – eine ziemlich alberne Sache, aber als Kind beißen sich manchmal Bilder im Kopf fest, die man sich irgendwann im Leben erfüllen will. Ich kenne genügend Kollegen, die ihr letztes Hemd für eine Fahrt in einem Formel 1 – Wagen auf dem Nürnburgring geben würden, oder solange bei der Lufthansa bitten und betteln, bis sie mal einen Jumbo im Simulator fliegen und landen dürfen.
So gesehen ist dieser Gang auf das Feld der Offenbacher Kickers zwar verhältnismäßig unspektakulär, dafür aber überraschend. Ohne Sabine, unsere Aufnahmeleitervolontärin, wäre ich kurz vorm Ziel an diesen drei Herren gnadenlos kleben geblieben.
Sie ließen mich nur mit dem Versprechen durch, dass ich herausfinde, ob sie ein geiles Arschgeweih habe.
Willkommen im Offenbacher Stadion.

Kennen sie Andreas schon? Das ist einer, der wenigen Musketiere in der Ü-Wagen Flotte. Um zu diesem erlauchten Kreis zu gehören, bedarf es nämlich auch eines ganz besonderen Typs. Fleissig, ordentlich und pünktlich zu sein, reicht da bei weitem nicht aus. Man braucht schon dieses vielzitierte Herz eines Löwen und die Geschicklichkeit eines Seeotters, um sich in dieser rauhen Gemeinschaft behaupten zu können.
Seeotter?
Sagen sie mir jetzt bloß nicht, dass sie nicht wissen, wie geschickt ein Seeotter ist! Er schwimmt auf dem Rücken, legt sich eine leckere Muschel auf den Bauch und öffnet sie, indem er einen Stein in die Pfoten nimmt und kräftig damit auf die Mupfel haut. Das macht er jetzt solange, bis die sich öffnet und gefressen werden kann.
Unsere Gladiatoren der Technik sind so geschickt, die können auf dem Rücken schwimmen und mit einem billigen Feuerzeug eine Flasche Bier, die auf dem Bauch liegt, öffnen. Die Besten unter ihnen, können dabei sogar eine Lucky rauchen, ohne ein Auge zukneifen zu müssen.
Sehen Sie jetzt die Ähnlichkeit zum Seeotter?
Andreas hat mir gerade geschrieben, aber dummerweise nicht verraten, was er genau hat. Jedenfalls liegt er derzeit krank zuhause im Bett herum und langweilt sich entsetzlich. Wahrscheinlich liegt er Seeotterartig auf dem Rücken und hat eine Illustrierte und ein Päckchen Tempos für den Schnupfen auf dem Bauch. Dazu keine Kippe, sondern ein Fieberthermometer im Mundwinkel. Die Krümel vom letzten Zwieback auf denen er liegt, machen ihm auch zu schaffen.
In seiner Flaschenpost bittet mich Robinson, die Kollegen zu grüßen. – Mach ich Andi!
Ich wünsche Dir eine gute Besserung und mit mir sicher auch die Kollegen!

Wie spät? Halb vier schon?
Lilo und ich rennen an der Börse vorbei ins Parkhaus. Wir müsen jetzt aber ganz schnell in den Sender, die Proben beginnen in einer halben Stunde. Während sie nach dem Schlüssel kramt und den Aufzug holt, bezahle ich am Automaten.
Der Aufzug kommt aber nicht. Besser: nicht schnell genug.
“Der Wagen steht im zweiten Stock. Lass uns das Stück laufen.”
Ich hasse Treppenlaufen in Parkhäusern. Die stinken immer so nach Urin.
Mürrisch willige ich also ein.
Dort angekommen, traben wir bis zum Ende der Halle.
“Komisch”, murmelt sie, “Mir war so, als hätte ich eine große Zwei gesehen, als ich ihn abgestellt habe.” “Dir war so?” Ungläubig glotze ich zurück zum Treppenhaus. “Vielleicht war es ja doch der dritte”, lächelt sie, wie Garfield.
“Wieviel Stockwerke hat das Parkhaus denn?”, frage ich, während wir uns mit tausend Tüten über die Schräge in die dritte Etage schieben.
“Ich weiß nicht, aber das Auto steht bestimmt nicht höher, als im dritten.”
“Bist Du dir sicher?” Ich stelle eine H&M Tasche ab und kratze mich am Kinn.
“Wenn nicht, dann nehmen wir uns jetzt den dämlichen Aufzug und kämpfen uns vom Dach aus hinunter.” “Doch, doch – Der ist ganz sicher hier. ” Lilo läuft entschlossen durch die Halle..
Im Dritten Stock fanden wir alles, nur nicht unser Auto.
Ich hole also den Aufzug und etwas angefressen frage ich, welches der sechs Stockwerke ich nun drücken soll.
“Also auf dem Dachgeschoß steht er auf keinen Fall – das wüsste ich.”
“Dann bleiben uns also noch fünf Stockwerke in den knapp 10 Minuten, die wir ohne Nachzahlung noch haben.
Im vierten Stock fand sie dann endlich den Wagen und drückte erleichtert den Entriegelungsknopf auf dem Schlüssel. Der Wagen reagiert aber nicht.
“Nee, das kann ich jetzt aber nicht gebrauchen. – Mistding!” Lilo drückt noch ein paarmal.
Erschrocken stelle ich fest, dass an diesen modernen Autos keine Schlösser mehr in den Türen sind. Auf der Suche nach einer Lösung umrunde ich das Auto und finde nur heraus, dass wir ein anderes Kennzeichen haben.
Als ich 20 Minuten später schweißgebadet aus dem Taxi hüpfe, fragt mich unser Aufnahmeleiter Georg irritiert, ob ich denn seine SMS nicht bekommen habe. Die Proben sind um zwei Stunden nach hinten verschoben worden, weil sich der Flieger mit dem Moderator verspätet hat.
Lilo hat in der Zwischenzeit das Auto am anderen Hallenende im Zweiten Stock gefunden, eine Kleinigkeit nachbezahlt und ist dann erst einmal zum beruhigen der Nerven in ihr Lieblingscafé gefahren. Sie hat Glück. Samstags muß sie nicht arbeiten, da trifft sie sich mit ihrer Freundin Nathalie.