Lippenstifte

Ganze 18 Sorten zähle ich, als ich nachgeschaut habe, ob es Labello überhaupt noch gibt. Seit meiner Schulzeit habe ich die Dinger nämlich nicht mehr gesehen und das ist ja schon etwas her. Mädchen waren damals jene weltfremde Wesen, die Gummitwist hüpften, Poesiealben im Unterricht austauschten, gemeinsam aufs Klo gingen und Labello verreibend irgendwann da wieder herauskamen.
Ich hatte auch ein Stift, der war aber von Clerasil und der deckte Pickel zu. Als ich eines Tages pickelfrei und mit einem Fußball unterm Arm Ulla fragte, ob sie mit mir gehen wolle, quälte sie mich, indem sie erst einen Blick in die Ferne warf, um dann diesen dämlichen Fettstift auszupacken und die wertvolle Zeit der Pause zu verplempern. Schließlich gab sie sich einen Ruck, wir umarmten uns und dank Labello quietschte auch mein erster Kuss nicht.
Mann-oh-mann, ging uns diese Sucht auf den Keks.
Ulla ist inzwischen sicher auf Lippenstift umgestiegen und wir Männer können dem Ding jetzt auch endlich etwas positives abgewinnen.
Ähnlich, wie bei ihrem pubertären Training, hat auch bei der Benutzung eines Lippenstiftes jede Frau ihre ganz persönliche Handschrift. Die eine benutzt ihn genauso, wie Labello (”einfach druff”). Eine andere braucht einen Spiegel, trägt die Farbe vorsichtig auf den spitzen Mund und dreht dabei den Stift so, dass da mit der Zeit so eine Art Zipfelmütze übrigbleibt. Wieder eine andere, versucht die Form, die der Stift ab Werk sowieso schon hat, beim Abtragen möglichst irgendwie beizubehalten und versaut sich den Tag, wenn sie eine Delle reinmacht.
Ich glaube, ich werde mich demnächst einmal näher damit beschäftigen, ob und wie man den Frauentyp anhand des Lippenstiftes ermitteln kann. Wieviel Typen werde ich finden? Das riecht doch nach einer losen Serie und ich kam darauf, als ich heute nach dem Mittagessen, unseren Bildmischerinnen bei ihrem Ritual zuschaute und an meine Schulzeit denken musste…

