Eiterwellenschock

Mal ehrlich:
Erst denkt man doch boah, was für eine Schweinerei, reiht sich in die lange Schlange der Solidaritätsliste ein und verteufelt zichfach eine billige, schlampig gemachte Sendung.
Mords Leistung – ganz toll.
Ach wie gut, dass niemand merkt, wer der Nutznießer dieser Aktion wirklich ist. Es ist nämlich kein geringerer, als der, der sich jetzt so aufgebracht selbst in Szene setzt und “Lüge!” ins Land brüllt. Hatte er sich im Vorfeld selbst noch als erfahrener und cleverer Interviewpartner eingeordnet, so soll jetzt bitteschön jeder nachvollziehen, wie übel ihm mitgespielt worden ist.
Ab wann tut Mediengeilheit eigentlich weh?
Schmerzt sie erst nachdem man sich ein Fernseh-Team ins Haus holt, um dann staunend festzustellen, dass die mit dem Material dann doch ihren eigenen Prämissen folgen? Hat der Meister der second-hand Recherche, hier eigentlich Tomaten auf den Augen gehabt? Ausgerechnet der? Der, der keine Gelegenheit auslässt, seinen unantastbaren Finger ungefragt in die Wunden anderer zu stechen? Jener gottgleiche Blogger, der die “angeblich so besser recherchierenden »echte« Journaille” doch “nur” aufnimmt und ohne Konsequenzen kommentiert? Hände schmutzig machen? Aber nein, wie wir bei ihm lesen können, unterscheidet genau das doch den Blogger vom Journalisten. Amen!
Wie, um Himmels Willen, konnten sie unseren pfiffigen Tausendsassa eigentlich derartig täuschen, dass ihm seine einmaligen investigativen Talente hier so grottendämlich die Folgschaft versagten? Hat ihm am Ende seine eigene Eitelkeit einen Strich durch die Rechnung gemacht?
Nein. Ich sage, er wusste, was da passiert.
Seine PR-Bauernschläue sagte ihm, dass er auf diese Weise wunderbar im Gespräch bleibt und die Meinungsführerschaft in der Szene gerade mit solchen Methoden ausbauen kann. Nicht ohne Grund blickt er an dieser Stelle grinsend auf die Auslastung seines Servers. Schließlich ist er doch DER deutsche Chefblogger und darum weiß er selbstverständlich, wie man mit dem Mob umzugehen hat, der verhuscht seinen Kommentarbereich bewohnt. Willenlose Lemminge, die einer nach dem anderen den gleichen dummen Stuss nachblökt, bevor er sich von der Klippe in das IT-Boulevardniveu stürzt. Gespannt warten wir schon auf die gemeisame Kochorgie mit dem bis dahin fertig dressierten Köter bei Bio.
Ihr wisst nicht wen ich meine, nein?
Na dann macht doch mit mir, was ihr wollt.
Ein Trackback von: Blogshop | 22. Januar 2005 | 02:34 Uhr
Nochmal Planetopia
Mathias ist nicht, wie ich und viele andere, auf der Welle der Antiplanetopianer mitgeschwommen. Auch jetzt finde ich den SAT1 Beitrag immer noch scheisse, aber was Mathias schreibt stimmt schon. Auch Donnyboy hat da mal moderatere Töne angeschlagen. …
Ein Kommentar von: Mario | 22. Januar 2005 | 11:34 Uhr
Reduziert man diesen Beitrag auf ihn, hast Du im Prinzip recht.
Erweitert man aber die Sichten auf die anderen zwei, wo stehen dann Deiner Meinung die?
War sie sich bewusst in die Promiskuitiven-Ecke gestellt zu werden?
War ihm klar, dass er als Scheissdreckerzähler von “hochoffizieller Seite” aus dargestellt wird?
Und wie sieht es mit “uns” aus? Die, die nun als komische Blogger angeschaut werden (Herzhaft übertrieben
)
Klar hat er nun “Erfolg” (Wobei ich mich ja letztens genau für das Gegenteil entschieden habe -> http://blog.signal77.de/wp/index.php?p=448). Aber ist das so verwerflich? Ist es so schlimm, nach Erfolg und öffentlicher Anerkennung zu suchen?
Herr Kübelböck hat das ja auch gemacht, mit viel grausameren Methoden…..
Ein Kommentar von: Moe | 22. Januar 2005 | 12:38 Uhr
Interessant ist die Meinung, welche immer wieder mal von Leuten die den Schockwellenreiter nicht leiden können genannt wird: Das andere, die diese Einschätzung nicht teilen ja wohl blinde, dumme Gefolgschaft sein müssten. Da macht man es sich sehr einfach, wenn man zu Schlüssen wie
>mit dem Mob umzugehen hat, der verhuscht seinen Kommentarbereich bewohnt
kommt. Formulierungen wie ‘”gottgleiche Blogger” tun da ihr übriges. Nicht der SWR hat ein Problem mit seiner Popularität, sondern Du hast eines mit seiner.
Und so einen Schmarrn kennt man wenn weit oben bei blogstats steht zu Genüge.
Ein Kommentar von: Kossatsch | 22. Januar 2005 | 14:27 Uhr
Der Herr K. hat es zumindest vorher geahnt – siehe http://blog.schockwellenreiter.de/7702 . Ich oute mich gerne als SWR-Leser, obwohl mir 90% der Stories egal sind und mir das (wenige) egomane Tun auf den Keks geht. Es bleibt genug und ist trotzdem interessant.
Ein Kommentar von: grendelsen | 22. Januar 2005 | 18:20 Uhr
hm, im prinzip hast du schon recht, er fährt sicherlich nicht schlecht mit der dadurch entstandenen publicity. andersrum war der bericht einfach nur unterste kajütte.
ich persönlich habe auch nen artikel dazu losgelassen und ja, er ging gegen die sendung und nicht gegen den swr.
auch wenn ich denke, dass eine site nicht zufälligerweise so viele zugriffe hat, macht mich das nicht zu seiner blinden gefolgschaft.
ich stöbere dort gern, weil man dort wirklich stöbern kann, und überlese die selbstinszenierungen.
soll er doch, es ist schliesslich sein blog.
mich ärgerte schon alleine die von planetopia aufgestellte behauptung, dass einer schreibt und keiner prüft (prüfen kann) ob es stimmt, was da geschrieben wird.
Ein Kommentar von: Guntram | 24. Januar 2005 | 09:37 Uhr
Bis auf den Absatz mit der Bauernschläue finde ich den Artikel zutreffend wenn auch etwas polemisch. Man hätte noch hinzufügen können: Klein Fritzchen will auch mal ins Fernsehen.
Nach dieser peinlichen Nummer hätte sich Herr Kantel außerdem auch weniger “marktschreierisch” “wehren” können. Vom Stil her wäre ihm die gelegentliche Lektüre von Markus Breuer (http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/) zu empfehlen.
@Moe
Man könnte Deinen Kommentar schneller erfassen, wenn Du keine Interpunktionen – es sei denn korrekte – setzen würdest.
Ein Kommentar von: Mathias | 26. Januar 2005 | 17:46 Uhr
Lieber Moe, ich weiß ja leider nicht, wie entrückt Du auf Deiner Platzierung bereits sitzen musst, wenn Du Dir nur noch vorstellen kannst, dass Neid der einzige Beweggrund sein kann, Top 100 Blogs zu kritisieren.
Aufschlußreich ist es dennoch, da Du der einzige weit und breit bist, der sich ausgerechnet dieser Argumentation bedient und damit eher etwas von der eigenen Eitelkeit verrät, als von Problemen, die ich mit anderen haben könnte.