Kylaloo

StartseiteNeu hierkontaktImpressumdownloads

Kleine, runde Kabeltrommel

Abgelegt unter: | Mathias | 14. Dez 2004 | 23:51 Uhr

kabeldrei

Die vertrauten Gefährten der Kameramänner sind ihre Kabelhelfer. Sie hören sein Fluchen und können sehen, wie er schwitzt. Sofern sie die Antennen für soetwas haben, spüren sie sogar seine versteckten Launen und wenn sie so richtig gut sind, ja dann beruhigen sie ihn, loben seine tollen Bilder, und wissen stets bei welchem Programmpunkt man sich gerade befindet und wohin man für die nächste Position rennen muß.

Man merkt schon: Diese Beziehung hat eine Menge mit Vertrauen zu tun.

Problematisch kann diese Beziehung nur dann werden, wenn sich dieses Vertrauen einseitig in eine Liebelei wandelt. Wenn sich beispielsweise die Kabelhilfe in den Kameramann verguckt, wie in billigen Romanen die Krankenschwester in den Arzt. Und ehrlich: Es ist ein wirklich dämlicher Anblick, wenn man inmitten einer hitzig geführten Rentendebatte irgendwo in der Kasseler Pampa, aus den Augenwinkeln nach Bildern sucht und ständig ein liebeskrankes Grinsen neben sich entdeckt. Und anders, als im Roman, ist man ihr jetzt schutzlos ausgeliefert.

Zieht der Kameramann normalerweise den Helfer mit dem Kabel hinter sich her, so dreht Plüschauge jetzt den Spieß einfach um. Langsam, fast unmerklich robbt sie von Einstellung zu Einstellung näher an mich heran und ich habe das Gefühl an einer Hundeleine geführt zu werden.

Ich muß sie jetzt beschäftigen - das Näherkommen verhindern.

Da entdecke ich eine Lücke in den Zuschauerreihen, in die ich nur allein hineinpasse. Sie liegt diagonal gegenüber meiner Position und dazwischen befindet sich das Minenfeld der Moderation. Das ist jene große Fläche, in der meist der Moderator steht und die Sendung in alle Himmelsrichtungen leitet. Sie ist fast leer, bietet keine Deckung und jede andere Kamera kann mich dort extrem leicht “abschießen”.

Ich signalisiere also meiner Kabelhilfe, dass sie da nicht mitkommen kann und unbedingt zurückbleiben muß. Dummerweise war ich mit dieser Aktion aber so beschäftigt, dass ich einen Wechsel in der Moderation fast übersehen hätte, denn in dem Augenblick, als ich über diese Fläche hechten wollte, kam mir schon der Moderator entgegen und so blieb mir nichts anderes übrig, als auf der Stelle wieder zurück zu springen.

Zurück genau in die Arme meiner Kabelhilfe, die die Nische aus der ich gekommen bin, inzwischen bereits besetzt hielt.

Nein, Herrschaften, es gibt in dieser Situation keinen schlimmeren Beruf.

Keinem Kollegen, der dieses Katz und Mausspiel schon seit Tagen genüsslich mitverfolgt hat, ist das entgangen und alle grinsten jetzt, wie die Hyänen zu mir herüber.

Es dauerte noch eine geraume Zeit, bis ich endlich nicht mehr nach “meiner kleinen runden Kabeltrommel” gefragt wurde.

Uwes Aufschnitt

Abgelegt unter: | Mathias | 10. Dez 2004 | 23:26 Uhr

ablauf

Spätestens, als mir einmal die Regie “mach’s mal klooser” in den Kopfhörer säuselte, wusste ich, dass auch unsere Fachsprache dem allgemeinen Trend folgt, und den Bach runtergeht. Klooser. Ein sprachlicher Eiswürfel, dem man mir da hinten in den Pulli gesteckt hat. Ich konterte mit der Frage: “Soll ich danach noch ein Royal Flash machen?” Prompt fiel das abgebrochene Germanistikstudium darauf herein. “Was soll das denn sein?” Ich antworte: “Eine Totale mit allen Lampen drin”, und wenn Moni unsere Bildmischerin an dieser Stelle jetzt nicht losgeprustet hätte, wer weiß, vielleicht wäre ich mit einer eigenen neuen Wortschöpfung ins Fachbuch der Fernsehsprache eingetragen worden.

Die Einstellungsgrößen der Kamerabilder waren schon immer ein heikles Thema. Vor allem dann, wenn ein Redakteur wieder die Vokabeln verwechselt, und mit einem hektischen “mach’s größer!” eigentlich erreichen wollte, dass wir totaler werden. Das Gegenteil von klooser sozusagen.

Aber was sollen sie auch machen? Für die Totale eines Zwiegesprächs gibt es nunmal viele Bezeichnungen. “Geh’ mach’s mir a doppel”, sagte einmal ein Östereicher dazu und meinte eine “Zweier”, wie wir das nennen. Varianten wären jetzt noch eine enge und eine weite Zweier. Vielleicht ist Florian damals in der Late Lounge Regiebesprechung zu weit gegangen, als er mit Blick auf den Studiogast Dolly Buster grinsend klarstellte, dass eine enge Zweier auch diesmal klassisch gemeint sei.

Genauso klassisch etwa, wie die Art, eine besinnliche Sendung mit weihnachtlicher Musik der Frankfurter Turmbläser beginnen zu lassen um dann nach etwa 30 Sekunden den Moderator ins Bild zu nehmen, während - und das ist jetzt wichtig - akustisch die Musik im Hintergund weitergeht.

Oder anders: Uwe wird nach 30 Sekunden aufgeschnitten.

Kuriositätenkünstler

Abgelegt unter: | Mathias | 09. Dez 2004 | 04:39 Uhr

fatkingkonrad

Erfahrene Kameramänner wissen sehr genau, wie nah sie einem Studiogast auf die Pelle rücken können und naturgemäß befindet sich diese unsichtbare Schranke zur Intimsphäre bei jedem woanders. Wo genau, das hat man im Gefühl. Oder auch nicht. Manchmal treibt dieser Umstand allerdings auch kuriose Blüten.

Genau genommen hatten wir sie beide über Bord geworfen. Ich meine den Auftritt von Fat King Konrad auf einem der vergangenen Hessentage und es fing eigentlich auch ganz harmlos an, zumal wir uns ja schon aus der Late Lounge kannten. Ich wusste von seiner Spontanität und kannte auch sein Programm. Um dem nun gerecht zu werden, bin ich mit meiner Kamera diskret auf die Bühne gekommen.

Fat war gerade dabei einen gespielten Witz vorzutragen. Er handelt von der Begegnung zweier Männer. Der eine geht aufrecht, der andere gebückt. Fat läuft dazu auf der Bühne immerzu von links nach rechts. Einmal gebückt, einmal gestreckt und karikiert so die beiden. Als ich in den Saal schaue sehe ich, dass alle, wie bei einem Tennisspiel, den Kopf hin und her bewegen und mir kommt die Idee, dass ich diese Bewegung aufnehmen, und parallel zu Fat seine Gänge mitlaufen könnte. Eine äußerst schweißtreibende Angelegenheit angesichts der rund 12 Kilo schweren Kamera auf meiner Schulter.

Ich fing also zart an, Konrad auf der Bühne von links nach rechts zu verfolgen. Hin und her - Hin und her. Jetzt bemerkt er mich, findet’s komisch und steigert das Tempo. Mein Kollege Mike, der die Kamera vor der Bühne machte, zog grinsend auf und brachte mich mit ins Bild. Nun sahen alle im Ü-Wagen, wie ich mit Fat King Konrad praktisch schon parallel um die Wette renne. Hin und her - Hin und her. Die ersten Zuschauer bemerken das und fangen an zu kichern. Die Regie gibt unter Lachtränen die Anweisung mich jetzt offiziell mit ins Bild zu nehmen. Hin und her - Hin und her - Hin und her.

Der Rhytmus wird immer schneller.

Plötzlich bleibt Fat King Konrad stehen und ich renne mit voller Wucht von hinten auf ihn auf. “Hee” ruft er künstlich entrüstet “wo willst Du denn noch drehen?” Er deutet auf seinen Hintern und der Saal gröhlt. Schweißüberströmt liegen wir uns in den Armen und mir fällt einer seiner Sprüche ein:

“Stopp, bewegen Sie sich nicht! Ich möchte Sie so vergessen wie Sie sind!”

[Foto: Fat King Konrad.]

Weitere Artikel: «12345»

XHTML | CSS | Atom | RSS | © 2008 by Mathias Hundt | made with WordPress 2.6