Kylaloo

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Konzertangst

Abgelegt unter: | Mathias | 25. Dez 2004 | 06:58 Uhr

weihnachtsoratorium

Heute muß Daniel ran. Ob er will oder nicht.
Seine Kamera wird am abend live im Fernsehen zu sehen sein. Nägelkauend denkt er darüber nach, wie er da hindurch kommt. Dabei hat er nicht einmal eine schwierige zugeteilt bekommen. Er sitzt in der Ehrenloge genau gegenüber der Bühne und ist im wesentlichen für die Totale zuständig. Er kann froh sein, nicht die andere (leichte) Kamera machen zu müssen. Der Kollege zum Beispiel, der später den Dirigenten drehen wird, kann einem wirklich leid tun. Er muß für die Dauer des gesamten Konzerts, mit seinem Leih-Smoking aus dem Fundus auf einem Alukoffer kauern, der irgendwo im Orchester hinter den Oboen eingequetscht steht.
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Unsichtbarer Spamschutz

Abgelegt unter: | Mathias | 22. Dez 2004 | 10:55 Uhr

spam_unsichtbar

So verspielt und optisch verführerisch die Captcha-Lösung auch sein mag, sie hat nicht zu unterschätzende Nachteile. Zum einen, ist sie leider (noch?) nicht Barrierefrei und ein Blinder wird hier praktisch, wie ein Spammer behandelt. Zum anderen erfordert das aufmerksame Studium des Codes, sowie dessen korrekter Eingabe in das Fomular, unangenehme Mehrarbeit für den Kommentierenden und kostet uns darum auch den ein, oder anderen interessanten Eintrag. Nicht selten wird zudem noch manche Codebestandteile verwechselt und der Kommentar anschließend beim Abschicken ohne Ankündigung vernichtet und ins Blognirvana gejagt. Sehr, sehr ärgerlich.
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Kleine, runde Kabeltrommel

Abgelegt unter: | Mathias | 14. Dez 2004 | 23:51 Uhr

kabeldrei

Die vertrauten Gefährten der Kameramänner sind ihre Kabelhelfer. Sie hören sein Fluchen und können sehen, wie er schwitzt. Sofern sie die Antennen für soetwas haben, spüren sie sogar seine versteckten Launen und wenn sie so richtig gut sind, ja dann beruhigen sie ihn, loben seine tollen Bilder, und wissen stets bei welchem Programmpunkt man sich gerade befindet und wohin man für die nächste Position rennen muß.

Man merkt schon: Diese Beziehung hat eine Menge mit Vertrauen zu tun.

Problematisch kann diese Beziehung nur dann werden, wenn sich dieses Vertrauen einseitig in eine Liebelei wandelt. Wenn sich beispielsweise die Kabelhilfe in den Kameramann verguckt, wie in billigen Romanen die Krankenschwester in den Arzt. Und ehrlich: Es ist ein wirklich dämlicher Anblick, wenn man inmitten einer hitzig geführten Rentendebatte irgendwo in der Kasseler Pampa, aus den Augenwinkeln nach Bildern sucht und ständig ein liebeskrankes Grinsen neben sich entdeckt. Und anders, als im Roman, ist man ihr jetzt schutzlos ausgeliefert.

Zieht der Kameramann normalerweise den Helfer mit dem Kabel hinter sich her, so dreht Plüschauge jetzt den Spieß einfach um. Langsam, fast unmerklich robbt sie von Einstellung zu Einstellung näher an mich heran und ich habe das Gefühl an einer Hundeleine geführt zu werden.

Ich muß sie jetzt beschäftigen - das Näherkommen verhindern.

Da entdecke ich eine Lücke in den Zuschauerreihen, in die ich nur allein hineinpasse. Sie liegt diagonal gegenüber meiner Position und dazwischen befindet sich das Minenfeld der Moderation. Das ist jene große Fläche, in der meist der Moderator steht und die Sendung in alle Himmelsrichtungen leitet. Sie ist fast leer, bietet keine Deckung und jede andere Kamera kann mich dort extrem leicht “abschießen”.

Ich signalisiere also meiner Kabelhilfe, dass sie da nicht mitkommen kann und unbedingt zurückbleiben muß. Dummerweise war ich mit dieser Aktion aber so beschäftigt, dass ich einen Wechsel in der Moderation fast übersehen hätte, denn in dem Augenblick, als ich über diese Fläche hechten wollte, kam mir schon der Moderator entgegen und so blieb mir nichts anderes übrig, als auf der Stelle wieder zurück zu springen.

Zurück genau in die Arme meiner Kabelhilfe, die die Nische aus der ich gekommen bin, inzwischen bereits besetzt hielt.

Nein, Herrschaften, es gibt in dieser Situation keinen schlimmeren Beruf.

Keinem Kollegen, der dieses Katz und Mausspiel schon seit Tagen genüsslich mitverfolgt hat, ist das entgangen und alle grinsten jetzt, wie die Hyänen zu mir herüber.

Es dauerte noch eine geraume Zeit, bis ich endlich nicht mehr nach “meiner kleinen runden Kabeltrommel” gefragt wurde.

Uwes Aufschnitt

Abgelegt unter: | Mathias | 10. Dez 2004 | 23:26 Uhr

ablauf

Spätestens, als mir einmal die Regie “mach’s mal klooser” in den Kopfhörer säuselte, wusste ich, dass auch unsere Fachsprache dem allgemeinen Trend folgt, und den Bach runtergeht. Klooser. Ein sprachlicher Eiswürfel, dem man mir da hinten in den Pulli gesteckt hat. Ich konterte mit der Frage: “Soll ich danach noch ein Royal Flash machen?” Prompt fiel das abgebrochene Germanistikstudium darauf herein. “Was soll das denn sein?” Ich antworte: “Eine Totale mit allen Lampen drin”, und wenn Moni unsere Bildmischerin an dieser Stelle jetzt nicht losgeprustet hätte, wer weiß, vielleicht wäre ich mit einer eigenen neuen Wortschöpfung ins Fachbuch der Fernsehsprache eingetragen worden.

Die Einstellungsgrößen der Kamerabilder waren schon immer ein heikles Thema. Vor allem dann, wenn ein Redakteur wieder die Vokabeln verwechselt, und mit einem hektischen “mach’s größer!” eigentlich erreichen wollte, dass wir totaler werden. Das Gegenteil von klooser sozusagen.

Aber was sollen sie auch machen? Für die Totale eines Zwiegesprächs gibt es nunmal viele Bezeichnungen. “Geh’ mach’s mir a doppel”, sagte einmal ein Östereicher dazu und meinte eine “Zweier”, wie wir das nennen. Varianten wären jetzt noch eine enge und eine weite Zweier. Vielleicht ist Florian damals in der Late Lounge Regiebesprechung zu weit gegangen, als er mit Blick auf den Studiogast Dolly Buster grinsend klarstellte, dass eine enge Zweier auch diesmal klassisch gemeint sei.

Genauso klassisch etwa, wie die Art, eine besinnliche Sendung mit weihnachtlicher Musik der Frankfurter Turmbläser beginnen zu lassen um dann nach etwa 30 Sekunden den Moderator ins Bild zu nehmen, während - und das ist jetzt wichtig - akustisch die Musik im Hintergund weitergeht.

Oder anders: Uwe wird nach 30 Sekunden aufgeschnitten.

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