Pressewurst.

Ich interessiere mich weder besonders überschwänglich für die Bundesliga, noch läuft mir zwangsläufig das Wasser im Munde zusammen, wenn ich an eine Rindswurst denke. Vor gut drei Wochen jedoch, da habe ich beschlossen, dass die Frankfurter Eintracht nicht in die erste Bundesliga aufsteigen darf. Vorerst jedenfalls, und wer mich kennt ahnt es bereits - wegen einer simplen Rindswurst.
Aber der Reihe nach.
Früher gab es drei Arten von Eintrittskarten. Die VIP-Karte für die Häppchenfraktion, die Pressekarte für die, die arbeiten mussten und die vulgäre Eintrittskarte, bei der man im Zweifelsfalle in so etwas ähnlichen, wie einem Käfig mit Sicht auf das Spielfeld gezwängt wurde. Wehe dem, der unter Platzangst leidet.
Heute hat man es gerne komplizierter.
Es gibt eine Vielzahl von Karten und Bändchen. Die Menge ist derartig unübersichtlich, dass man sich manchmal mit dem Kontrolleur zu der aufgestellten postergroßen Tafel begeben muß, um besser abgeglichen werden zu können.
Da die Kollegen vom ZDF das eigentliche Spiel übertrugen, waren Stefan und ich für die Interviews vor dem Spiel, in der Halbzeit, und nach dem Spiel zuständig. Eine vortreffliche Chance für uns, die Schweinekälte in einem leeren Pressebereich mit heissem Kaffee und einer Rindswurst zu überbrücken.
Doch Pustekuchen. Bereits am Eingang wurden wir abgewiesen.
Die grüne Karte da, die wir um unseren Hals hängen hatten, war zwar eine Pressekarte, aber nur solange gültig, bis der Schiedsrichter das Spiel angepfiffen hat. Ich frage natürlich, bei welcher Art von Presseverteter eine solche Karte für einen Sinn macht, die den Besuch der Pressekonferenz nach dem Spiel verbietet. Wer Stadionkontrolleure kennt, weiß um die Qualität ihrer Antworten und wundert sich trotzdem immer wieder neu, wie weit es manche Menschen im Leben bringen.
So stellen wir also fest, dass wir die denkbar dämlichste, aller Karten umhängen hatten, kehrten genervt um und suchten nach unserem Aufnahmeleiter. Der steckt uns diskret, fast schon, als würden wir einen konspirativen Deal abwickeln, eine abgegriffene andere zu. Das war seine und (dem Herrgott sei dank) sogar während des Spiels gültig.
Wie erwartet, haben sie nur einen von uns passieren lassen, während der andere seine “Bestellung” durch die offene Tür durchgab. Da Stefan keine Wurst wollte, konnte ich alles mit einem Gang abwickeln, aber was war das jetzt? Die Wurst darf nicht mit hinaus. Ich darf sie nur im Presseraum essen und nicht neben meinem Kollegen vor der Tür. Warum? Weil man sie als Wurfgeschoss verwenden könnte.
Hätte ich doch bloß nicht gefragt.
So legte ich die angebissene Wurst wortlos auf einen Tisch und ging mit Stefan kopfschüttelnd zurück in den eisigen Innenbereich des Stadions. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine spezielle Pressewurstkarte gibt, die einem Pressevertreter erlaubt, auch während des Spiels im Innenbereich des Stadions eine Rindswurst zu essen. Bis ich allerdings eines fernen Tages diese Ehrenkarte bekomme, werde ich dieses spezielle Wurfgeschoß ganz normal am Kiosk vor der Tribüne kaufen und dort verdrücken, wohin ich mit einer Pressewurst nicht darf.
Und solange möge die Eintracht auch sportlich zweitklassig bleiben.


