Das Panglas.

Was dem Koch seine Mütze, der Nonne ihr Kreuz, dem Schiedsrichter seine Pfeife, ist dem Kameramann sein Panglas. Manche sagen auch Grauglas oder Betrachtungsglas zu diesem Ding. Ich sage Panglas, weil ich das einerseits so gelernt habe und andererseits auch davon überzeugt bin, dass es von dem wunderschönen fotografischen Fachwort panchromatisch stammt. Damit sind wir auch schon am Knackpunkt dieses Monokels. Das Panglas ist nämlich das Statussymbol für den sogenannten lichtsetzenden Kameramann, dem Häuptling unter den anwesenden Kameraleuten.
Er ist der Pate, der uns beschützt, oder, mit den Füßen in Beton, in den nächsten Fluß werfen läßt. Er wird deshalb lichtsetzend genannt, weil er ganz alleine bestimmt, wieviel Lampen wo und wie hängen sollen und wohin diese mit welcher Intensität gerichtet werden. Dieses kleine dumme Panglas ist also mehr, als nur eine grau eingefärbte Glasscherbe. Sie zeigt allen Anwesenden, wer hier das sagen hat und von machem wird gemunkelt, dass er es selbst zuhause noch unterm Pyjama trägt.
Jedoch genau, wie im richtigen Leben, so sterben auch in unserem Beruf langsam die Silberrückengorillas aus. Heute versteckt die nachrückende Generation fast schon verschämt dieses wichtige Zeichen der Herrschaft in der Brusttasche ihres Flanellhemdes. Mehr noch, man legt neuerdings mehr Wert auf Teamarbeit und Fairness, statt auf Disziplin und Gehorsam. Auch am Statussymbol selbst, wird eifrig gefeilt. Tat es früher noch das klassische Tiffen N°2, das ein bischen, wie eine Minibratpfanne aussieht, rümpft man darüber heute die Nase. Von modernen Lichtsetzenden Kameramännern erwartet man, dass sie wenigstens ein Glas von Harrison & Harrison ans begnadete Auge führen. Ist zwar doppelt so teuer, dafür erhält man aber auch eine coole Gliederkette, statt eines schnöden Nylonbandes.
Was aber, verdammt nochmal, macht man nun mit diesem bescheuerten Panglas?
Man benutzt es, wie eine sehr, sehr starke Sonnenbrille und schaut damit direkt in den Lichtkegel einer Lampe hinein um zu beurteilen, ob das Zentrum dieses Kegels genau dort hinscheint, wo man es hinhaben möchte. (Hauptaufgabe beim Fernsehen)
Preisfrage: Was macht Stefan in unserem Beispiel eigentlich falsch?
Richtig, Er lässt das zweite Auge offen.
Ein Kommentar von: mikklon | 13. Dezember 2004 | 21:07 Uhr
Tja, mein Lieblings-Hundt,
so ist das mit den Pangläsern. Mein Kodak verrichtet klaglos seit der Zeit der Fotoausbildung seinen Dienst - auch mit Textilband & ohne Status-Spoiler. hihi…
Meine Lieblingsszene in Film & Fernsehen: “Living in oblivion” (Independentfilm übers Independentfilme-machen), wenn der lichtgestaltende Kameramann das Panglas als Mini-Spiegel benutzt, um seine Augenbraue zu stylen…oder wenn er durch seine Augenklappe (Achtung, arg verletztes Künstlerauge) mit dem Spotmeter misst…
Merke: auch gepflegte Eitelkeiten sind Eitelkeiten.
In diesem Sinne bereite ich mich jetzt mal auf mein morgiges “Silberrücken-Bewerbungs-Gespräch” vor.
Bis die Tage,
Mike
Ein Kommentar von: Linda | 7. März 2006 | 11:09 Uhr
Hallöchen,
könnt Ihr mir verraten wo ich ein Panglas bekommen kann. Mein Freund ist Kameramann und hat sein tolles Kodak Panglas verloren (trotz Band, vielleicht sollte er auf das Harrison&Harrison Glas umsteigen:-). Ich war auf der Homepage von Kodak nur leider ohne Erfolg. Danke für einen kurzen Hinweis.
Viele Grüße
Linda