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AJ-Anton

Abgelegt unter: | Mathias | 06. Dez 2004 | 10:55 Uhr

anton

Sekunden nach dem Ende der Vipshow springt ein Rentner auf und stürmt mit seinem neongrünen Pastikordner aus dem HL-Markt, auf unseren Studiogast Sabrina Setlur zu. Zwei Meter vor seinem Ziel hält er inne, schaut sich um und macht erst einmal Platz auf einem in der Nähe stehenden Tisch.

Der berüchtigte AJ-Anton ist wieder in Aktion. AJ, wie Autogrammjäger.

Er klappt den Ordner auf, in dem alles generalstabsmäßig bis ins kleinste Detail vorbereitet ist. Rechts unter einer Karsichtfolie sehe ich einen rötlichen Karton hervorlugen auf dem Sabrina Setlur später unterschreiben soll. Etwas darüber klemmt an einer überdimensionalen weißen Büroklammer aus Plastik, ein gefalteter und an sich selbst adressierter Umschlag. Sollte zufällig Sabrina keine Autogrammkarte bei sich haben, wird Anton nicht einen Augenblick zögern, ihr diesen Umschlag unterjubeln zu wollen, damit sie ihm eine schickt. Ich stelle mir das gerade mal vor. Sabrina Setlur steht also auf der Straße irgendwo in Rödelheim und sucht verzweifelt nach einen Briefkasten um Anton eine Autogrammkarte zu schicken.

Auf der linken (freien) Seite des Ordners, etwa in Höhe des Umschlags, klemmen 3 Edding-Stifte, die an der Verschlusskappe mit Klettband umwickelt sind. “Das hat er von Kameramännern”, denke ich mir, denn wir machen sowas hin und wieder bei größeren Sendungen, wenn wir viel in Abläufen herumkritzeln müssen und mit Hilfe dieser Technik, unsere Hände wieder freibekommen, weil wir so die Kulis unkompliziert an die Kamera pappen können.

Unterhalb der Stifte klemmt ebenfalls mit Klett ein kleines Frottetuch, damit sich der Star bei Bedarf die Hände trockenreiben kann, bevor er zur Tat schreitet. Ich bin mir sicher, dass er eine Dose Wasser im Sakko hat, sollte Sabrina danach fragen.

Hat sie aber nicht. Sie hat von all dem nichts mitbekommen, weil sie noch in einem Gespräch über Yoga mit dem Moderator Holger Weinert vertieft war.

Das Autogramm gab sie anschließend genauso, wie wir das alle kennen. Sie kam vorbei, nahm sich den dargebotenen Stift, schrieb ihren Namen auf das Papier und ging zum nächsten Autogrammjäger. Als Anton nach einer Karte fragte, hob Sabrina ihre Hand und winkte eine junge PR-Mitarbeiterin herbei, die einen Schuhkarton voller Promo-CD’s unterm Arm hatte. Sie fischte eine heraus und legte sie Anton auf den Tisch. Er sah nur kurz hin und zückte seinen Umschlag. Schließlich wollte er ja eine Autogrammkarte und nicht so einen albernen neumodischen Quatsch.

Vorsichtig nahm er die Verfolgung auf und es kam, wie es kommen musste. Sabrina entschwand fast unmerklich aus dem Studio. Anton kam zurück, klappte mit zusammengekniffenen Lippen seinen Ordner zu und ging nach Hause.
Die Promotions CD hat er liegengelassen. Zwei Mädchen versuchten sie unauffällig an sich zu nehmen. Aber wie gesagt: CD’s sind nicht Antons Sache. Zumindest nicht, wenn sie nicht unterschrieben sind.

3 Kommentare | hier schreiben!

  1. Ein Kommentar von: Mario | 6. Dezember 2004 | 11:34 Uhr

    Cool. Wobei mir die Setlur sowas von am Popo vorbei geht, ich Autogramme doof finde und AJ für mich nen Schuss haben.

    Ochmann, ich darf von den spannenden Teilen meiner Arbeit nichts erzählen. Ist halt so, wenn man an Autos rumschraubt, die erst in 5 Monaten auf den Markt kommen.

    mario

  2. Ein Kommentar von: Mathias | 6. Dezember 2004 | 20:22 Uhr

    Frau Setlur ist in solchen Geschichten austauschbar und ich glaube nicht einmal, dass AJ-Anton ihre Musik überhaupt kennt. Er sammelt Autogramme von Promis egal, ob die ihm nun sympatisch sind, oder nicht. Der Promifaktor macht den Kick aus. Mir wäre das ja ausgesprochen peinlich, wenn ich für irgendjemanden ein Autogramm mitbringen müsste.

    Was die spannenden Sachen angeht:
    Wirklich Heiße Eisen hätte ich genauso in petto. Das Problem ist nur das Regal.
    Das Regal im Supermarkt nämlich, welches ich, nach dem ausplaudern delikater Geheimnisse, mit delikaten Raviolidosen auffüllen darf, nur weil mich niemand mehr an eine Kamera lässt.

    Wie wir sehen, wirft das ganze trotzdem noch interessante Geschichten ab und die erzähle ich solange in der Zwischenzeit.

  3. Ein Kommentar von: Jens | 25. November 2006 | 21:31 Uhr

    So hat doch jeder seine mehr oder weniger merkwürdige Freizeitbeschäftigung.

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