Der Daschner Prozess.

Oft erkennt man die Tage, an denen man besser zuhause geblieben wäre, bereits beim verlassen der eigenen vier Wände. Ich musste heute morgen schon um 5:45 Uhr in die eiskalte Dunkelheit hinaus. Grund: Das zu erwartende großes Mediengedränge wegen des Daschner Prozesses.
Ein handflächenbreiter rosa Streifen ist in der Nacht auf der Beifahrerseite meines Smarts aufgesprüht worden. Er beginnt zwei Wagen vor mir am Rückspiegel eines schwarzen Clio und reicht bis Mitte eines alten VW-Passats hinter mir. Ich wusste ja, dass es Unglück bringt, wenn man schon vor dem Frühstück das Haus verlässt. Immerhin – der Wagen startet, trotz der wirklich eisigen Kälte, ohne Probleme.
Nach gut hundert Metern steige ich wieder aus und kratze fluchend die erneut einfrierenden Scheiben frei. Was für einen dämlichen Eiskratzer ich doch habe. Einen mordsmäßigen Griff aus rutschfreiem Neoprengummi, gleichzeitig aber die Kratzfläche so dumm gewölbt, dass man damit nur zwei schmale Streifchen an den Enden freilegt. Ich pfeffere das blöde Ding in den Fußraum und nehme mir die dafür bestens geeignete Sparkassencard.
Endlich bin ich auf den Weg nach Frankfurt.
Ich liege gut in der Zeit und kann es mir leisten, einen Bäcker zu suchen.
In der Wiener Feinbäckerei, werde ich erst einmal ansatzlos angemault, weil ich mich nach einer Käsestange erkundige. Käsestangen kommen (das muß man doch wissen!) frühestens um halb sieben. Interessant war die Bestrafung für diese kesse Vermutung. Ich durfte der unappetitlichen Verkäuferin die 80 Cent für die beiden Baguettebrötchen nicht in die kleine fettige Hand hineinzählen, sondern mußte sie demütigst in die gewölbte Schale auf der Theke legen. Hätte ich mich noch zusätzlich, wie ein Japaner verbeugen sollen?
Ich fahre zum Pakplatz und gehe zum vereinbarten Treffpunkt, wo ich Klaus, unseren heutigen Aufnahmeleiter auch schon treffe.
Und?
Nix und. Wir sind zum Gericht, haben den halben Tag dort vor der Tür gestanden und uns den Hintern abgefroren. Kein Richter, kein Anwalt, kein Angeklagter. Nur ein müder Aufsager gegen 9 Uhr, den sowieso niemand sieht. Drei eigene Teams sind eh’ vor Ort und um 14 Uhr kommt die nächste Schicht, die dann was zu tun bekommt.
Situationen, in denen man zu einer willkommenen kleinen Touristenattraktion für vorbeikommende Schüler wird, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollen, ihr neues Fotohandy damit auszuprobieren, sich gegenseitig mit einem echten Fernseh-Mikro (“ist ja kewl!”) zu fotografieren.
Sagte ich bereits, dass es Tage gibt, an denen man besser zuhause bleibt?
Ein Kommentar von: Anonymous | 20. Dezember 2004 | 21:27 Uhr
Ohne Worte..:-(